Elektroauto jetzt kaufen oder warten?

Die Dieselfahrverbote sind nur eine Folge einer globalen Entwicklung. Wir stoßen einfach zu viele Schadstoffe aus. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. So sind Containerschiffe und Flugzeuge große Schadstoffproduzenten und auch die Industrie und Energiegewinnung stoßen viel CO2 und andere Stoffe aus. Als Einzelperson kann man wenig beitragen. Trotzdem ist letzten Endes jeder Beitrag wichtig. So ist jeder von uns gefordert seinen Energieverbrauch und die Art, wie wir Energie einsetzen, zu überdenken. Ein Thema ist der Individualverkehr. Dass über kurz, oder lang Elektroautos der Standard sein werden, ist keine Frage. Die Politik hat klar die Weichen für diese Entwicklung gestellt. Aber soll man sein Elektroauto jetzt kaufen, oder warten? Eine schwierige Frage.

E-Mobilität

Zu diesem Beitrag hat mich eine Blogparade auf elektro-auto-mieten.de inspiriert. Hier wird aufgerufen, sich Gedanken über Elektro-Autos zu machen. Beschäftigt man sich ein wenig mit dem Thema, dann findet man im Wesentlchen vier Aspekte, die man bedenken muss, bevor man sich ein elektrisches Fahrzeug anschafft.

  • Angebot
  • Kosten
  • Umwelt
  • Praxistauglichkeit

In zumindest 2 von 4 Punkten schneiden Elektroautos besser ab, als Verbrenner.

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Je kleiner und leichter, desto weniger Kraft braucht das Auto

Angebot

Das Angebot an E-Autos ist mittlerweile groß. VW, BMW und Mercedes bieten reine Elektroautos an. Auch Citroen, Kia, Hyundai, Nissan, Renault, Peugeot, Opel, Ford, Chevrolet und Tesla. haben entsprechende Fahrzeuge im Portfilio. Dabei zeichnen sich drei Fahrzeugtypen ab, die man kaufen kann. Da gibt es einerseits sportliche Fahrzeuge, wie die Tesla-Modelle, oder den Mercedes SLS AMG Coupe Electric Drive. Die zweite und größte Gruppe sind die Kleinwagen. Hier ist das Angebot bei Weitem am größten. Vom Renault Twizy über BMW i3 und andere ähnliche Fahrzeuge bis zu Nissan Leaf, VW E-Golf und Ford Focus Electric. Kleine leichte und kompakte Fahrzeuge. Die dritte Gruppe, die aktuell von allen Herstellern stark ausgebaut wird, sind Lieferfahrzeuge. Hier gibt es den Nissan e-NV200, oder den Renault Kangoo. Kleine Kastenwägen.

Zielgruppe

Mit dem Angebot bestimmt man natürlich auch die Zielgruppe. Die Gruppe der Golf-Fahrer ist beispielsweise riesig. Allein vom Golf 5 wurde 3,27 Millionen Fahrzeuge verkauft. Die kompakten Kleinwagen eignen sich für den Weg zur Arbeit, oder einen kleinen Einkauf. Für Familien mit mehr als einem Kind sind sie nur bedingt geeignet. Hier richten sich die Hersteller an junge Menschen, Singles, oder Zweitwagenkäufer. Auch sportliche Fahrer kommen auf ihre Kosten. Der Merces AMG in der Elektroversion lässt keine Wünsche offen. Aber auch der geplante Tesla Roadster ist ein echter Supersportwagen. Neben der privaten Nutzung stehen für professionelle Fahrer ein paar Lieferwagen zur Auswahl. Die kleinen 3,5-Tonner sind für regionale Lieferung, oder als Fahrzeuge für Monteure durchaus geeignet.

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Es sind in erster Linie kleine und leichte Fahrzeuge, die mit Elektromotoren ausgestattet werden

Fehlendes Angebot

Wo man heute noch vergeblich nach brauchbaren Angeboten sucht ist das Segment der Mini-Vans. Zwar gibt es den Nissan e-NV200 auch mit Sitzreihen, aber die Höchstgeschwindigkeit von 123km/h und eine Reichweite von 163 km macht das Auto für Familien relativ unbrauchbar. Man kann damit mal zum Zoo fahren, oder die Kinder in den verschiedenen Kitas und Schulen abgeben, aber für einen richtigen Wochenendausflug, oder eine Urlaubsreise reicht das nicht. Hoffen lässt der Mercedes EQV. Das Fahrzeug gibt es heute noch nicht auf dem Markt. Neben den Familien haben auch Firmenwagennutzer eine recht dürftige Auswahl. Die Tesla-Modelle sind die einzigen, die als repräsentativer Firmenwagen geeignet sind. Die Kleinwägen sind für dieses Segment nicht geeignet.

Kosten

Das Argument der Kosten muss man differenziert betrachten. Ja, ein Elektrofahrzeug ist in der Anschaffung teurer, als ein ähnliches Auto mit Verbrennungsmotor. Was man an dieser Stelle aber nicht vergessen darf und miteinrechnen muss, ist der Wiederverkaufswert. Das ist das Ergebnis von geringem Verschleiß, einem weiteren Argument, das man beachten muss. In einem Elektromotor gibt es kaum Flüssigkeiten, die getauscht werden müssen. Es gibt auch keine Filter, die regelmäßig getauscht werden müssen und insgesamt ist ein solches Triebwerk wesentlich wartungsärmer, als ein Verbrennungsmotor. Das erhöht die Zuverlässigkeit und Lebensdauer und macht einen Gebrauchtwagen attraktiver. Nur der Akku verliert über die Jahre an Leistung. Abgesehen davon ist das Auto aber nach ein paar Jahren wesenlich mehr wert, als ein gleichalter Benziner, oder Diesel. Nach fünf Jahren kann man durchaus den doppelten Verkaufspreis erzielen, wie für ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und gleichen Anschaffungskosten.

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Ein großes Argument sind die Tesla Supercharger. Ladestationen, an denen man bestimmte Tesla Modelle auch kostenlos laden kann

Wartung

Die Wartungskosten sind ebenfalls vergleichsweise niedrig. Hier muss niemand Öl ablassen und Kühlflüssigkeit wechseln. Die meisten Wartungsarbeiten entfallen. Sogar die Bremsen werden beim Elektrofahrzeug geschont, weil der Motor die Bremsenergie rückgewinnt. Fahrer, die ihre Wartungskosten offengelegt haben, kamen zu dem Ergebnis, dass sie bei weniger als einem Drittel der Kosten für einen Verbrenner liegen. Auch die Versicherung und die Steuer sind beim Elektrofahrzeug wesentlich geringer. Oft entfällt die Steuer auf Elektrofahrzeuge auch komplett.

Treibstoff

Der Verbrauch eines Elektrofahrzeugs ist je nach Modell relativ gering. Die meisten Fahrzeuge sind klein uns leicht. Vergleicht man aber ein Fahrzeug, wie den Tesla Model S mit einem 7er-BMW, dann zeigt sich, dass auch die Energiekosten etwa bei einem Drittel liegen. Eine gewaltige Einsparung. Hier kann man mit einigen Tesla-Modellen noch weiter sparen, weil die Nutzung der Supercharger kostenlos angeboten wird. Rechnet man alle Kostenfaktoren zusammen, dann ergibt das einen Kilometerpreis von unter 50 Cent für den Tesla Model S. Das ist rund die Hälfte von dem, was der klassische 7er-BMW kostet. Auch wenn der hohe Anschaffungswert abschreckt, ist das Elektrofahrzeug insgesamt eine gute Entscheidung.

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Tesla hat bei der Praxistauglichkeit die Nase vorn. Die Marke hat sich als echte Alternative positioniert. Der Wiederverkaufswert der Fahrzeuge ist ein starkes Argument für die Anschaffung

Umwelt

Vor einiger Zeit wurde der CO2-Ausstoß der Teslafahrzeuge in Frage gestellt. Betrachtet man den gesamten Produktionsprozess, insbesondere die Herstellung des Akku, dann sieht die CO2-Bolanz wesentlich schlechter aus. Auch ich habe damals über die CO2-Bilanz eines Tesla einen Blogbeitrag verfasst. Allerdings sehe ich diesen Punkt mittlerweile anders. Die Herstellung der Batterien ist ein großes Problem für die Umwelt. Grundwasser wird verschwendet um Lithium-Salz zu lösen. Das belastet die südamerikanischen Salzwüsten, in denen Lithium gefördert wird. Das und die Energiebilanz spricht klar gegen die Umweltfreundlichkeit eines Elektroautos. Es ist also besser, kein Auto zu kaufen. Braucht man allerdings ein Auto, dann steht das Elektroauto immer noch besser da.

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Die Diesel- und Bezinproduktion belastet die Umwelt sehr stark. Faktoren, die man in der Betrachtung gerne vergisst

Faire Rechnung

Rechnet man beim Elektroauto von der Herstellung bis zur Stromgewinnung jedes Milligramm CO2 und jede Umweltbelastung, dann ist es nur fair, das auch bei den Autos mit Verbrennungsmotoren zu machen. Auch hier beginnt die Umweltbelastung nicht mit der ersten Tankfüllung. Die Produktion und der Transport belasten die Umwelt genauso wir beim Elektroauto. Außerdem ist ein solches Fahrzeug voller umweltgefährdenter Flüssigkeiten, die regelmäßig gewechselt und entsorgt werden müssen. Aber auch der Treibstoff hat es in sich. Ja, verbrennt man einen Liter Benzin, dann hat das eine beschränkte Wirkung auf die Umwelt. Bedenkt man aber, wo das Benzin herkommt, dann sieht es anders aus.

Ölgewinnung

Die Förderung und der Transport von Öl ist in allen Bereichen eine Umweltkatastrophe. Auch wenn man es uns erst bewußt wird, wenn die Bilder einer Ölpest durch die Medien gehen, zerstören Ölplattformen ganze Ökosysteme und auch die Tankschiffe sind eine große Belastung für die Umwelt. Das Rohöl wird in der Raffinerie aufgekocht und destilliert. Ein Prozess der Unmengen an Energie verbraucht. Auch die Pipelines belasten die Umwelt. Zuletzt wird der Kraftstoff mit Diesel-Fahrzeugen zur Tankstelle befördert. Allein das Tankstellennetz braucht Unmengen an Energie. Rechnet man also fair, sieht es für das Elektroauto mehr als gut aus.

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Das Netz an Ladestationen ist mittlerweise gut ausgebaut. So kann man einen kurzen Aufenthalt meist auch mit Aufladen kombinieren

Praxistauglichkeit

Die Gründe, warum man ein Fahrzeug besitzt, sind vielfältig. Es kann beruflich genutzt werden, für den Weg zur Arbeit, oder für wenige Langstecken pro Jahr. Je nach Anwendung ist das Elektroauto mehr, oder weniger geeignet. Distanzen bis zu 200km täglich sind problemlos mit dem Elektroauto zurückzulegen. Darüber wird es etwas schwieriger. Zwar haben die meisten Modelle eine deutlich größere Reichweite, aber trotzdem muss man häufiger Stopps einplanen, um das Fahrzeug zu laden. Das kann man als lästige Pflicht und verlorene Zeit sehen, oder als einen Beitrag zur Entschleunigung und damit zur eigenen Lebensqualität.

Kurzstrecken

Für die Kurzstrecke und den Verkehr in der Stadt ist das Elektroauto mehr als fit. Auf den Autobahnen fühlen sich die Kleinwagen aber nicht so richtig wohl. Je nach persönlichem Lebensstil und der Rolle, die das Auto im Alltag spielt, ist die E-Mobilität aber auf jeden Fall praxistauglich. Will man regelmäßig längere Distanzen zurücklegen, ist ein Hybrid-Antrieb die bessere Wahl. So kann man die Vorteile aus beiden Welten vereinen. Allerdings vereint man damit auch die Nachteile. Das muss bewußt sein.

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Das Laden ist ein Minuspunkt für die Elektrautos. Was beim Verbrennungsmotor ein paar Minuten dauert, kann beim Elektroauto viel Zeit in Anspruch nehmen

Fazit

Zusammenfassend bin ich der Meinung, dass die Zeit für die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs auf jeden Fall reif ist. Ständige stundenlange Autobahnfahrten und Großfamilien sind aktuell aber noch ein Showstopper. Abgesehen davon kann ein solches Auto im Alltag genauso eingesetzt werden, wie ein Benziner. Man spart in den Unterhaltskosten und schont mit jedem Kilometer die Umwelt. Spätestens beim Wiederverkauf macht sich das Auto bezahlt.

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